Pfarrgeschichte

Sinabelkirchen, eine Marktgemeinde im oststeirischen Ilztal, weist allein schon durch den Ortsnamen auf eine kirchliche Tradition, die ins Mittelalter zurückreicht. Das mittelhochdeutsche Wort „sinawel“ = rund umschreibt wohl den ersten Sakralbau des Dorfes, eine romanische Rundkirche, von der heute freilich nichts mehr zu sehen ist. Der Standort der Pfarrkirche auf einem Hügel über dem ursprünglich einzeiligen Bauerndorf am Ilzbach blieb durch die Jahrhunderte gleich.

Während die Nachbarkirche Ilz am Kreuzungspunkt alter Verkehrswege dem hl. Jakobus geweiht wurde, steht der hl. Bartholomäus als Kirchenpatron von Sinabelkirchen für die rodenden Landleute. Er ist schon im 11. Jahrhundert ein Reichsheiliger, daher gerade auch in der Zeit, als das Ilztal endgültig besiedelt wurde, für ein Kirchenpatrozinium besonders aktuell. Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes und der Kirche erfolgte erst 1351. Der Visitationsbericht von 1617 erinnert aber noch an die mittelalterliche Bedeutung, wenn von alten Begräbnisrechten die Rede ist, eigentlich schon ein Merkmal für eine Pfarrkirche.

Doch 1617 war Sinabelkirchen nur eine Filiale der nördlich gelegenen Pfarre Pischelsdorf (= Dorf des Bischofs), die aber erst kurz vor 1205 errichtet wurde. Als der Erzbischof von Salzburg in den Besitz des späteren Pischelsdorf gelangte (zwischen 1170 und 1188), ließ er das bestehende Pfarrsystem neu ordnen und das Zentrum der Pfarre zwischen Feistritztal, Kulm und Ilztal nach Pischelsdorf verlegen. Eingeschränkt wurden auf diese Weise die alten aus herrschaftlichen Eigenkirchen entstandenen Pfarren wie Feis-tritz-St. Johann und Sinabelkirchen.

Noch im 17. Jahrhundert wurde in Sinabelkirchen nur an wenigen Tagen im Jahr der Gottesdienst gehalten.

Erst 1713 begannen erste Verhandlungen zwecks Wiedererrichtung einer Pfarre in Sinabelkirchen. Die Angelegenheit zog sich mehrere Jahre hin, bis am 1. April 1729 an der Bartholomäuskirche ein Pfarrvikariat errichtet wurde. Der neue Pfarrsprengel wurde den Pfarren Pischelsdorf (Sinabelkirchen, Egelsdorf und Unterrettenbach) und Gleisdorf (Untergrossau) entnommen.

Die Josephinische Pfarrregulierung brachte eine neuerliche Erweiterung durch Gebiete aus der Pfarre Gleisdorf, nämlich Teile von Obergrossau und Nitschaberg. Schließlich kam es 1862 zu einer abermaligen Veränderung des Pfarrspren-gels. Aus der Pfarre Ilz wurden die Dörfer Gnies und Nagl nach Sinabelkirchen eingepfarrt. Die Oswaldikirche von Gnies, ein regionaler bäuerlicher Wallfahrtsort, ist seither eine Filiale von Sinabelkirchen.


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